Robocopy /MIR für Backups: Praxisguide mit häufigen Fehlern
- Autor
- Christian Gebhardt
- Veröffentlicht
- Lesezeit
- 3 Minuten

Ein Admin startet robocopy /mir abends per Aufgabenplanung, um ein Fileshare auf ein Backup-Ziel zu spiegeln. Am nächsten Morgen fehlen hunderte Dateien im Ziel - gelöscht, weil sie im Quellordner über Nacht verschoben wurden. Genau das ist der Kern dieser Option: perfekte Spiegelung, aber auch gnadenlose Lösch-Logik.
Was /MIR bedeutet
robocopy /mir ist kein eigenständiger Schalter, sondern eine Kombination aus zwei Optionen: /E für das Kopieren inklusive leerer Unterordner und /PURGE für das Löschen von Dateien im Ziel, die in der Quelle nicht mehr existieren. Microsoft dokumentiert das genau so in der offiziellen Robocopy-Referenz. Das Ergebnis: Das Ziel sieht nach dem Lauf exakt so aus wie die Quelle, kein Byte mehr, kein Byte weniger.
Funktionsweise im Detail
Robocopy vergleicht bei jedem Lauf Quelle und Ziel anhand Dateigröße und Zeitstempel. Neue und geänderte Dateien werden kopiert, unveränderte übersprungen - das spart bei großen Datenmengen enorm Zeit gegenüber einer kompletten Neukopie. Anschließend räumt robocopy /mir im Ziel auf und entfernt alles, was in der Quelle fehlt, inklusive leerer Ordner.
MIR vs /E im Vergleich
Der Unterschied zwischen /MIR und reinem /E ist entscheidend für die Backup-Strategie. /E kopiert nur, löscht aber nie etwas im Ziel - ideal für ein Archiv, das wachsen darf. /MIR dagegen gleicht beide Seiten vollständig ab und entfernt verwaiste Dateien im Ziel, weshalb es eher zu einem echten Spiegel-Backup passt als zu einem Archiv mit Historie.
Ein robocopy mir Beispiel
In der Praxis sieht ein typischer Aufruf so aus: Quelle ist ein Freigabepfad wie \\fileserver\share\projekte, Ziel ein Pfad auf dem Backup-Volume wie D:\Backup\projekte. Der robocopy mir Befehl lautet dann robocopy \\fileserver\share\projekte D:\Backup\projekte /MIR /LOG:D:\Logs\mirror.log. Das Logfile ist dabei Pflicht, denn nur so siehst du im Nachhinein, welche Dateien tatsächlich gelöscht wurden.
Mirror Ordner einrichten
Wer einen Mirror Ordner dauerhaft betreiben will, sollte den Job in der Aufgabenplanung als eigene Aktion anlegen und nicht in ein größeres Skript mischen. So bleibt nachvollziehbar, welcher Lauf welche Änderungen verursacht hat. Zudem lohnt sich ein separates Log pro Tag, damit sich Löschvorgänge einzelnen Zeitpunkten zuordnen lassen.
Häufige Fehler
Die meisten Probleme mit robocopy /mir entstehen nicht durch die Option selbst, sondern durch den Kontext drumherum:
- Vertauschte Quelle und Ziel - dann löscht der Job die eigentliche Produktivquelle leer.
- Ein leerer oder nicht erreichbarer Quellordner, etwa weil ein Netzlaufwerk nicht gemountet war - robocopy /mir räumt daraufhin das komplette Ziel leer.
- Pfade mit Leerzeichen ohne Anführungszeichen, was zu einem fehlerhaften Pfad und damit zu unerwartetem Verhalten führt.
- Fehlende Berechtigungen auf NTFS-Ebene, die einzelne Dateien beim Kopieren überspringen, ohne dass es sofort auffällt.
- Kein Logfile, wodurch sich gelöschte Dateien im Nachhinein nicht mehr nachvollziehen lassen.
Wer Backups generell plant, findet im Artikel zu Active Directory Backups weitere Grundsätze, die sich auch auf Dateiserver übertragen lassen.
Ordner ausschließen
Nicht jeder Unterordner soll gespiegelt werden, etwa temporäre Cache-Verzeichnisse oder Benutzerprofile mit privaten Daten. Dafür gibt es die Option /XD gefolgt vom Ordnernamen oder vollständigen Pfad. Wichtig: Ausgeschlossene Ordner werden im Ziel weder aktualisiert noch gelöscht, sie bleiben unangetastet, so wie sie beim letzten Lauf vorlagen.
Einweg-Spiegelung
robocopy /mir arbeitet grundsätzlich als Einweg-Sync von Quelle zu Ziel, niemals umgekehrt. Änderungen im Zielordner, etwa eine manuell dort abgelegte Datei, werden beim nächsten Lauf kommentarlos gelöscht, weil sie in der Quelle fehlen. Deshalb sollte das Zielverzeichnis eines Mirror-Jobs nie als normaler Arbeitsordner genutzt werden.
Optionen kombinieren
In der Praxis läuft robocopy /mir selten allein. Sinnvolle Ergänzungen sind /R:3 und /W:5, um Wiederholungsversuche bei gesperrten Dateien zu begrenzen, sowie /MT für mehrere parallele Threads bei großen Datenmengen. Wer den Job automatisiert, sollte zudem den Rückgabewert auswerten, denn robocopy liefert differenzierte Exit-Codes statt eines einfachen Erfolg-oder-Fehler-Signals.
Fazit
robocopy /mir ist ein zuverlässiges Werkzeug für Spiegel-Backups, solange du dir die Lösch-Logik bewusst machst. Teste jeden neuen Mirror-Job zuerst mit der Option /L, die nur simuliert und nichts verändert, bevor du ihn produktiv schaltest. Richte außerdem ein tägliches Logfile ein und wirf regelmäßig einen Blick hinein - so erkennst du ungewöhnliche Löschmengen, bevor sie zum Problem werden. Wer Backup-Abläufe generell sauber dokumentiert, profitiert zusätzlich von festen standardisierten Abläufen im Team.

0 Kommentare