Mit der zunehmenden Verbreitung von Smartphones haben klassische Download-Apps einen regelrechten Boom erlebt. Anwendungen wurden direkt aus den App-Stores installiert und prägten über Jahre hinweg die Nutzung digitaler Dienste. Rund zwei Jahrzehnte später zeigt sich jedoch ein Wandel.
Immer mehr Unternehmen verzichten bewusst auf eigene Download-Apps und setzen stattdessen auf webbasierte Lösungen. Ist der Höhepunkt klassischer Apps damit bereits überschritten? Während Web-Apps aus Unternehmenssicht klare Vorteile bieten, sind diese aus Perspektive vieler Nutzer nicht immer sofort erkennbar.
Hürden beim Weg in den App Store
Für viele Unternehmen ist der Weg in die großen App-Stores mit einem nicht unerheblichen Aufwand verbunden. Sowohl der Apple App Store als auch der Google Play Store setzen klare technische und inhaltliche Vorgaben voraus, die erfüllt werden müssen, bevor eine Anwendung überhaupt veröffentlicht werden kann.
Hinzu kommen laufende Kosten, zum Beispiel für Entwicklerkonten, sowie zusätzliche Ressourcen für Pflege, Updates und Freigabeprozesse. Und auch nach der Veröffentlichung bleiben Anbieter an die jeweiligen Plattform-Richtlinien gebunden, die sich jederzeit ändern können und teilweise strenge Vorgaben hinsichtlich Funktionalität, Inhalten und Geschäftsmodellen machen.
Vor allem für kleinere Anbieter oder spezialisierte Dienstleistungen kann dies eine spürbare Hürde darstellen. Unterschiede zeigen sich insbesondere in regulierten Bereichen, in denen App-Stores eigene Vorgaben durchsetzen.
Anbieter weichen hier teilweise auf Weblösungen aus, um unabhängiger agieren zu können. Das betrifft unter anderem auch den Glücksspielbereich, beispielsweise bei Casinos ohne Lizenz in bestimmten Ländern, die primär browserbasiert funktionieren.
Geringerer Entwicklungsaufwand
Einer der Hauptgründe, warum sich viele Unternehmen für Web-Apps entscheiden, ist der geringere Entwicklungsaufwand. Während bei klassischen Download-Apps oft mehrere Versionen parallel entwickelt werden müssen, kann eine Web-App oft als eine einzige Anwendung entwickelt werden.
Der Aufwand klassischer Apps beginnt bereits bei der Frage, für welche Systeme eine Anwendung verfügbar sein soll. Wer sowohl Apple- als auch Android-Nutzer erreichen will, benötigt schon mal zwei eigene mobile Versionen. Soll die Anwendung auch auf dem Desktop laufen, sind oft zusätzliche Anpassungen oder eigene Versionen für Windows und macOS nötig. Jede Variante muss separat entwickelt und getestet werden.
Bei einer Web-App ist die Ausgangslage deutlich einfacher. Sie wird so entwickelt, dass sie im Browser läuft und damit auf vielen Geräten direkt nutzbar ist. Unternehmen müssen dadurch nicht für jedes Betriebssystem eine eigene App aufbauen.
Entsprechend wenig Aufwand ist dann auch mit der Weiterentwicklung der App verbunden. Neue Funktionen, Fehlerkorrekturen oder Anpassungen müssen nicht in mehreren App-Versionen, sondern nur einmalig umgesetzt werden. Änderungen werden zentral vorgenommen und stehen danach allen Nutzern gleichzeitig zur Verfügung.
Einfachere Monetarisierung und planbare Einnahmen
Ein weiterer Grund für den Trend zu Web-Apps liegt im Geschäftsmodell. Früher wurde Software meist einmal gekauft und dann über Jahre genutzt. Heute setzen viele Anbieter bewusst auf regelmäßige Einnahmen statt auf Einmalzahlungen.
Bei einer Web-App lässt sich das deutlich einfacher umsetzen. Die Nutzung ist fast immer an ein Benutzerkonto gebunden. Wer Zugriff haben will, meldet sich an und zahlt dafür in der Regel monatlich oder jährlich. Sobald das Abo endet, verschwindet auch der Zugang zur Anwendung.
Für Unternehmen hat das einen klaren Vorteil, denn die Einnahmen kommen nicht mehr nur punktuell zustande, sondern verteilen sich über einen längeren Zeitraum. Statt ständig neue Käufer zu gewinnen, bleibt ein Teil der Nutzer dauerhaft aktiv und zahlt weiter. Das sorgt für mehr Stabilität, vor allem bei Produkten, die regelmäßig erweitert oder angepasst werden.
Auch zusätzliche Funktionen lassen sich so besser steuern. Manche Inhalte bleiben kostenlos, andere sind nur mit einem bezahlten Zugang verfügbar. Das kann jederzeit angepasst werden, ohne dass eine neue Version installiert werden muss oder Nutzer aktiv etwas ändern müssen.
Bei klassischen Download-Programmen ist das schwieriger. Zwar gibt es auch dort Lizenzmodelle, aber die Kontrolle ist begrenzter. Ist die Software einmal installiert, wird sie oft einfach weiter genutzt, ohne dass im Hintergrund regelmäßig neue Zahlungen stattfinden.
Bessere Auffindbarkeit im Netz
Ein weiterer Vorteil von Web-Apps liegt darin, dass sie deutlich leichter gefunden werden können. Während klassische Download-Apps meist nur über die jeweiligen App Stores sichtbar sind, sind webbasierte Anwendungen ganz normal über das Internet erreichbar. Jede Funktion, jede Unterseite und jeder Inhalt kann dabei direkt über eine eigene Adresse aufgerufen werden.
Das führt dazu, dass Nutzer oft schon bei einer einfachen Suche auf ein Angebot stoßen, ohne die Anwendung vorher gezielt zu kennen oder nach einer bestimmten App zu suchen. Statt erst in einen App Store zu wechseln und dort gezielt zu suchen, gelangen sie direkt zur passenden Anwendung im Browser.
Für Unternehmen ist das ein großer Unterschied. Inhalte lassen sich gezielt so aufbereiten, dass sie im Netz sichtbar werden und Nutzer genau dort abholen, wo sie nach Lösungen suchen. Gerade bei Dienstleistungen oder spezialisierten Angeboten erhöht das die Chance, überhaupt wahrgenommen zu werden.
Download-Apps haben es in dieser Hinsicht schwerer. Sie sind stärker an die Strukturen der App Stores gebunden und bieten weniger Möglichkeiten, einzelne Inhalte gezielt sichtbar zu machen. Dadurch hängt die Auffindbarkeit oft stärker davon ab, dass Nutzer aktiv nach einer bestimmten Anwendung suchen.
Download-Apps noch immer der User-Favorit
Trotz der Vorteile aus Unternehmenssicht greifen viele Nutzer im Alltag lieber zu klassischen Download-Apps, was vor allem an der einfacheren Nutzung liegt. Installierte Anwendungen sind über ein Icon direkt erreichbar und lassen sich mit einem Klick öffnen, während der Weg bei Web-Apps häufig erst über den Browser führt.
Auf dem Smartphone macht sich das besonders bemerkbar, weil sich bei intensiver Nutzung schnell viele offene Tabs ansammeln, die die Übersicht erschweren und die Bedienung umständlicher machen. Während sich das auf einem Laptop meist noch ganz gut organisieren lässt, bieten mobile Browser keine wirkliche Übersicht.
Nutzer haben sich darüber hinaus schlichtweg daran gewöhnt, dass ihre Apps sichtbar auf dem Startbildschirm liegen und jederzeit verfügbar sind, während Web-Apps oft eher wie klassische Webseiten wahrgenommen werden, die jedes Mal aktiv aufgerufen werden müssen.
Allerdings gibt es mittlerweile auch Möglichkeiten, diesen Nachteil auszugleichen, denn viele Web-Apps lassen sich als Icon auf dem Startbildschirm speichern und anschließend wie eine normale App öffnen, sodass der Zugriff genauso direkt erfolgt. Der Weg dorthin ist jedoch nicht ganz so einfach wie eine Installation über den Play Store oder App Store.
Außerdem ist auch noch nicht jede Web-App optimal für die mobile Nutzung ausgerichtet. Wenn die technische Umsetzung aber passt und die Anwendung sauber für mobile Geräte optimiert wurde, kann diese Lösung dennoch eine brauchbare Alternative sein.
